Gestaltung Autoarmes Zentrum Cham: Das AAZ nimmt weiter Fahrt auf

Die Gestaltung des Autoarmen Zentrums (AAZ) in Cham kommt in eine nächste Phase: Von Mitte Januar bis Mitte März läuft die Vernehmlassung zum aktuellen Projektstand bei verschiedenen Institutionen. Dies nachdem zahlreiche Anliegen der Bevölkerung in das Gestaltungsprojekt bereits eingeflossen sind. Nach letzten allfälligen Grobjustierungen stimmt der Chamer Souverän voraussichtlich im September 2024 über den Realisierungskredit für die AAZ-Gestaltung ab.
Im Zusammenhang mit der in Bau befindlichen Umfahrungsstrasse Cham – Hünenberg (UCH) bekommt die Gemeinde Cham die einmalige Chance, das Ortszentrum attraktiver zu gestalten. Konkret sollen die Strassenräume im Zentrum nach der geplanten Eröffnung der UCH im Jahr 2027 siedlungsorientiert umgestaltet und aufgewertet werden; es soll ein autoarmes Zentrum entstehen. Das aus einem Projektwettbewerb dazu erkorene Siegerprojekt «CHOM JETZT!» wurde der Öffentlichkeit im Frühling 2023 anlässlich einer Ausstellung präsentiert. Rund 100 Einwohnerinnen und Einwohner nahmen im Anschluss Ende März 2023 an einer öffentlichen Mitwirkungsveranstaltung teil, diskutierten einen Abend lang über die künftige Zentrumsgestaltung, die geplanten Elemente des AAZ und gaben Politik und Verwaltung wertvolle Hinweise zur Weiterbearbeitung mit.
Im Nachgang wurde das Projekt mit Blick auf die vielen Impulse optimiert. Im Rahmen einer ausführlichen Auswertung wurde geprüft, welche der diversen Hinweise und Anliegen in das Projekt integriert werden können und zu welchem Projektzeitpunkt dies zu erfolgen hat. «Die Gespräche mit den zahlreichen Teilnehmenden der Mitwirkungsveranstaltung waren für uns äusserst wertvoll. In den letzten Monaten haben wir intensiv an wichtigen Fragestellungen gearbeitet und das komplexe Projekt weiter geformt. Es hat sich aber auch gezeigt, dass teilweise noch Unklarheiten zur Projektabgrenzung bestehen – so steht beispielsweise das Pfortensystem gar nicht mehr zur Diskussion, da es bereits integraler Bestandteil der UCH Bewilligung ist», erläutert Drin Alaj, Vorsteher der Abteilung Verkehr und Sicherheit.
Viele wichtige Inputs der Bevölkerung sind eingeflossen
Dennoch sind zahlreiche Anliegen und Ideen der Chamerinnen und Chamer in den aktuellen Projektstand eingeflossen. «Wir freuen uns sehr, dass wir viele Aspekte in die Weiterbearbeitung des Gestaltungsprojekts einspeisen konnten. Alle Anliegen konnten und können wir aber nicht berücksichtigen. Zum Teil stehen sich die Vorstellungen diametral gegenüber, andere Ideen können aufgrund der Gegebenheiten oder äusseren Einflüsse nicht realisiert werden. Aber die zentralen Anliegen, die auch mehrfach genannt wurden, haben wir erfasst», so Drin Alaj. Beispielsweise wurde die Lage der Bushaltestellen optimiert und das Überholen durch Blaulichtorganisationen bei der Haltestelle «Gemeindehaus» ist nun möglich. Zudem enthält der aktuelle Projektstand einen Kreisel «Bärenplatz», der unter anderem dem Wenden von grösseren Fahrzeugen dienen soll. Ein wichtiges Thema waren zudem die künftigen Querungsmöglichkeiten für Zufussgehende und insbesondere auch die Sicherheit der Schulkinder. Um diesbezüglich die bestmögliche Lösung zu finden, wird im ersten Halbjahr 2024 eine Erhebung der heutigen Querungsmöglichkeiten im Zentrum durchgeführt. Weiter läuft aktuell auch die Abklärung zu den genauen Rahmenbedingungen für neue Baumstandorte und Gespräche mit betroffenen Grundeigentümerschaften stehen an. Im ersten Halbjahr 2024 werden die massgebenden Erkenntnisse daraus ebenfalls in das Projekt integriert.
Vernehmlassung bei Institutionen zur Gestaltung des AAZ läuft
Der überarbeitete Projektstand liegt nun auch für die Vernehmlassung bei den kantonalen Fachstellen, Institutionen und politischen Parteien bereit. Der Miteinbezug dieser Anspruchsgruppen ist für eine robuste, gute Lösung wichtig. «Einen so zentralen Strassenraum neu zu gestalten ist keine einfache Aufgabe: Diverse Ansprüche werden an diesen für Cham wichtigen Raum gestellt. So muss er zum Beispiel weiterhin für das Kreuzen von zwei Bussen genügend Platz bieten, einer sommerlichen Überhitzung entgegenwirken, für Zufussgehende und Velofahrende attraktiv und inklusiv sein und für die Verkehrssicherheit für alle Teilnehmenden sorgen. Wir glauben, dass wir eine ausgewogene Lösung vorlegen können, in welcher die diversen Anforderungen an den Strassenraum berücksichtigt sind», ist Drin Alaj überzeugt.
Nach der Vernehmlassung werden allfällige kostenrelevante Änderungen im Projekt integriert, bevor der Chamer Souverän voraussichtlich im September 2024 über den Realisierungskredit (inkl. Planung) an der Urne abstimmt. In diesem Zusammenhang ist auch eine öffentliche Infoveranstaltung nach den Sommerferien geplant. Sofern das Stimmvolk den Kredit genehmigt, erfolgt im Anschluss die Erarbeitung der Baueingabe für die Umgestaltung des Autoarmen Zentrums.
Umgestaltung der zentralen Chamer Plätze wird separat angegangen
Die Umgestaltung der zentralen Chamer Plätze ist ebenso komplex und wird deshalb in einem eigenständigen Projekt an die Hand genommen. Der entsprechende Prozess startet in diesem Jahr. In einer ersten Phase sollen die Rahmenbedingungen für eine Umgestaltung der Plätze geklärt werden. Dies insbesondere auch in Zusammenarbeit mit den Grundeigentümerschaften sowie Nutzenden der Plätze und der angrenzenden Grundstücke. In einer zweiten Projektphase, ca. ab 2026, wird die eigentliche Platzgestaltung in einem Co-Kreativen Prozess mit der Chamer Bevölkerung erarbeitet. Falls alles planmässig läuft, soll mindestens einer der zentralen Plätze gemeinsam mit dem umgestalteten Strassenraum eingeweiht werden.
Weitere Informationen finden sich unter www.mitwirkung-cham.ch.
Generelle Infos:
Das Autoarme Zentrum Cham ist integraler Bestandteil der Umfahrungsstrasse Cham – Hünenberg (UCH)
Am 11. März 2007 haben die Stimmberechtigten des Kantons Zug den
Rahmenkredit für die Umfahrung Cham – Hünenberg (UCH) angenommen.
Die Umfahrungsstrasse UCH gilt als unverzichtbarer Teil der kantonalen
Verkehrsrichtplanung. Um den Verkehr auf die Umfahrungsstrasse zu lenken
und damit das Chamer Zentrum vom Durchgangsverkehr zu entlasten, sind
zusätzliche flankierende Massnahmen notwendig. Deren konkrete
Ausgestaltung konnte dank eines Mitwirkungsverfahrens in Zusammenarbeit
zwischen Kanton, Gemeinde und wichtigen Anspruchsgruppen gemeinsam
mit der Bevölkerung erarbeitet werden. Als breit abgestützte Bestvariante
resultierte daraus das Konzept «Autoarmes Zentrum (AAZ)». In der Folge
wurde dieses als fester Bestandteil in das Bauprojekt UCH eingearbeitet und
im Jahr 2015 öffentlich aufgelegt. Mit Bundesgerichtsentscheid vom
Dezember 2020 wurde das Projekt UCH samt den verkehrslenkenden
Massnahmen des AAZ rechtskräftig bewilligt. Namentlich handelt es sich
hierbei um folgende Elemente:
- Perimeter des Autoarmen Zentrums (Lage der Eingangspforten sind
bestimmt) - Durchfahrtsverbot mit einem Mindestaufenthalt von 10 Minuten im
Zentrum Cham - Tempo-30-Zone
Die genannten Massnahmen stehen im gemeindlichen Projekt zur
Gestaltung des Autoarmen Zentrums Cham nicht mehr zur Diskussion, da sie
integraler Bestandteil der kantonalen Umfahrungsstrasse sind.
Mit dem Konzept «Autoarmes Zentrum (AAZ)» soll sichergestellt werden,
dass das Zentrum wirkungsvoll vom Verkehr entlastet wird und die
Verkehrsmengen je nach Streckenabschnitt um 40 – 75 % reduziert werden.

